500plus Kirchenkreis Emsland-Bentheim

Ein Vor - Wort

Die Geschichte der Reformation ist eine Geschichte des Denkens, Neudenkens und Neuhandelns. Was Martin Luther im Rahmen seiner Vorbereitungen für eine Vorlesung des Römerbriefs für sich erkannt hatte, sollte folgenschwere Veränderungen im kulturellen und religiösen Leben des 16. Jahrhunderts zur Folge haben. Der Thesenanschlag am 31. Oktober 1517 markierte dabei nur einen, wenn auch großen Schritt, da er mit der Veröffentlichung neuer Denkweisen in der Theologie des ausgehenden Mittelalters verbunden war. Die Reformation revolutionierte nicht nur das geistliche Leben, sondern stieß auch eine umfangreiche gesellschaftspolitische Entwicklung an. Ausgehend von Luthers Berufung auf das eigene Gewissen entdeckten die Menschen zunehmend ihre eigene Persönlichkeit – und wurden mündiger gegenüber der Kirche und dem Staat. Das führte zu einer Erosion der uneingeschränkten Macht der bisherigen Autoritäten. Aus der Freiheit jedes Einzelnen entstand die Gewissensfreiheit, die bis heute unser Miteinander in Staat, Kirche und Gesellschaft prägt.

Mithilfe des bereits im 15. Jahrhundert von Gutenberg erfundenen Buchdrucks verbreiteten sich Luthers Schriften explosionsartig im ganzen Land und damit auch die von ihm verwendete Sprache. Luthers Übersetzung der Bibel ins Deutsche war der Grundstein für die Entstehung einer einheitlichen deutschen Schriftsprache. Sie eröffnete erstmals auch den Menschen aus niederen Bildungsschichten einen Zugang zu Sprache, Kommunikation und Medien. Der Buchdruck ersetzte den geistlichen Stand, der bis dahin als alleinige heilsvermittelnde Institution auftrat. Gottes Wort stand jetzt prinzipiell jedem offen, der in der Lage war zu lesen. Die Reformation sorgte so für einen gewaltigen Bildungsschub, denn die Alphabetisierung der gesamten Bevölkerung – Mädchen wie Jungen! – wurde zum neuen Bildungsideal.

Auch in unserer Region, den heutigen Landkreisen Emsland und Grafschaft Bentheim, verlief die Reformation im 16. Jahrhundert in unterschiedlichen Stufen. Während in der Grafschaft Bentheim die Grafen in einem zweiten Schritt nach dem Übertritt zum Luthertum den reformierten Glauben einführten, setzte sich im Emsland, insbesondere im Amt Meppen, nach einer ersten Aufnahme des lutherischen Gedankenguts, die Gegenreformation durch. Der unterschiedliche Verlauf hatte Auswirkung auf die weiteren Entwicklungen der beiden Regionen und prägt diese bis heute. Stark beeinflusst wurde die Region noch einmal in der jüngsten Vergangenheit. Die Integration von fast 40.000 zum Großteil lutherischen Vertriebenen und Flüchtlingen aus den deutschen Ostprovinzen nach Ende des II. Weltkriegs und der Zuzug und Integration mehrerer Tausend  Spätaussiedler zu Beginn der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts sind große Leistungen dieser Region. Leistungen die die kulturelle und konfessionelle Vielfalt und besonders das Miteinander von katholischen und evangelischen Christen hier prägen. Ein Grund, das Jubiläum nicht innerkonfessionell zu begehen, sondern im Miteinander von Christen, die gemeinsam hier leben. Wir sind gemeinsam auf dem Weg, das spiegeln auch die vielen Veranstaltungen wider, die in den Gemeinden des Kirchenkreises und der Synodalverbände und in den Dekanaten, zum Teil unter einem Dach stattfinden. Wechselseitige Einladungen sind seit langem selbstverständlich. Auf dieser Infoseite finden Sie einen Überblick über die geplanten Veranstaltungen. Die Seite wird ständig aktualisiert und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Ulrich Hirndorf, Reformationsbotschafter der Regionen Emsland und Grafschaft Bentheim